January 20, 2007

Einzelteile für neuen PC bestellt

Posted in Computer

In den vergangenen Tagen habe ich die Einzelteile für einen neuen PC bei verschiedenen Online-Händlern bestellt. Die Auswahl der Einzelteile erfolgte nach folgenden Gesichtspunkten:

- Der Computer soll für den Einstieg in die Videobearbeitung geeignet sein,
- es soll Spracherkennungssoftware darauf laufen können, entweder DNS Standard oder Preferred,
- das ganze System soll preiswert sein und aus möglichst aktueller Produktion stammen.

Die Entscheidung ist auf folgende Einzelteile gefallen:

Mainboard: Gigabyte GA-M55Plus-S3G – für dieses Mainboard spricht der Preis von rund 75 €. Der vorhandene VGA-Anschluss macht (zumindest vorläufig) den Erwerb einer teuren Grafikkarte überflüssig. Der Computer soll ja nicht für Computerspiele eingesetzt werden. Außerdem besitzt dieses Mainboard einen FireWire Anschluss an der Rückseite. Dieser Anschluss ist wichtig für das Überspielen von Videoaufnahmen vom Camcorder auf den PC. Die Einzelheiten zu diesem Mainboard können im englischsprachigen PDF-Handbuch nachgelesen werden.

Prozessor: AMD Athlon 64 3800+ Sockel-AM2 tray, 2.40GHz, 512kB Cache – dieser Prozessor kostet circa 75 €, hat einen Orleans-Kern, ist im Mai 2006 erschienen, also noch ziemlich aktuell. Alternativ wäre natürlich auch ein Doppelkernprozessor infrage kommen. Aber ein Doppelkernprozessor ist fast doppelt so teuer, die verfügbare Software nutzt die höhere Leistungsfähigkeit vermutlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur ausnahmsweise aus. Ein teurer Doppelkernprozessor würde vermutlich eine Gesamtleistungssteigerung von gut 10% bringen. Lediglich in folgenden beiden Bereichen würde ein Doppelkernprozessor wahrscheinlich erhebliche Vorteile bringen:
- Optimierung des Sprachmodells der Spracherkennungssoftware und
- Enkodieren von Videodateien.
Aber wenn diese beiden Tätigkeiten vom Computer durchgeführt werden, dann braucht es halt etwas länger. Das ist ein vertretbarer Nachteil. Im allerschlimmsten Fall kann irgendwann im Laufe der kommenden Jahre ein Doppelkernprozessor eingebaut werden. Meiner Meinung nach bringt ein Doppelkernprozessor zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine wirklichen Vorteile.

Der gewählte Prozessor hat ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis. Leistungsfähigere Prozessoren sind erheblich teurer und bringen nur noch einen relativ geringen Mehrwert.

Am Prozessor wären vielleicht 10 € einzusparen, wenn an Stelle von AMD Sockel AM2 die Wahl beispielsweise auf einen Sockel 939 Prozessor gefallen wäre, beispielsweise auf den AMD Athlon 64 3700+. Dieser Prozessor ist jedoch rund ein Jahr älter, er wurde laut Wikipedia im Mai 2005 veröffentlicht. Also hier wäre ein Prozessor mit ähnlicher Leistung verfügbar gewesen, die Preisersparnis hätte jedoch lediglich 10 € betragen, dafür aber ein Prozessor, der ein Jahr »älter« ist. Dann lieber die 10 € mehr ausgeben und einen rund ein Jahr jüngeren Prozessor aus der aktuelleren Baureihe kaufen.

Prozessor-Lüfter: Arctic Cooling Freezer 64 Pro – und zwar die Variante mit vier Pins, die auch für AM2 Prozessoren geeignet ist. Der Preis betrug rund 13 €, mit Versand waren es etwa 19 €.

Arbeitsspeicher: Insgesamt vier Speicherriegel Aeneon DIMM 1024MB PC2-5300U CL5 (DDR2-667), jeweils circa 90 €, insgesamt circa 360 €. Warum vier Speicherriegel? Zunächst einmal müssen die Speicherriegel symmetrisch angeordnet sein, also entweder zwei oder vier Speicherriegel, um eine Verdoppelung der Datenrate erreichen zu können. Also beim Kauf von lediglich drei Speicherriegeln wäre eine Verdoppelung der Datenrate vermutlich nicht möglich. Die Speicherriegel müssen möglichst vom exakt gleichen Typ, Marke und Geschwindigkeit sein, um eine Verdoppelung der Datenrate zu erreichen. Und sie müssen eben symmetrisch angeordnet sein. 2 GB sind meiner Meinung nach für Videobearbeitung etwas zu knapp. 4 GB sind besser.

Das entscheidende Problem liegt darin, dass die Zugriffszeit auf den Festplattenspeicher um ein Vielfaches höher ist als die Zugriffszeit auf den Arbeitsspeicher. Sehr gut gefallen hat mir übrigens der Speicherführer von kingston.com, der einen sehr anschaulichen Vergleich zwischen den Zugriffszeiten beim Arbeitsspeicher und der Zugriffszeit bei einer Festplatte enthält. Die relativ langsame Zugriffszeit auf eine Festplatte kann teilweise dadurch ausgeglichen werden, indem mehr Arbeitsspeicher eingesetzt wird. Der verfügbare Arbeitsspeicher ist meiner Meinung nach die größte Geschwindigkeitsbremse bei vielen modernen Computern. Um den Nachteil des langsamen Zugriffs auf die Festplatte auszugleichen, einfach mehr Arbeitsspeicher in den Computer tun. Das ist meiner Meinung nach wichtiger als dem Computer einen Doppelkernprozessor zu geben. Also beim normalen Bearbeiten von Videodateien bringen 4 GB Arbeitsspeicher vermutlich eine ganze Menge. Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass trotz des recht hohen RAM-Speicherpreises diese Investition gerechtfertigt ist.

Gehäuse: MS-Tech LC-180 Midi-Tower – es ist mit einem Preis von rund 20 € (etwa 26 € inklusive Versand) eines der preiswertesten Gehäuse. Für dieses Gehäuse hat gesprochen, dass es an der Frontseite nicht nur zwei USB-Anschlüsse und einen Mikrophoneingang und Audioausgang hat, sondern insbesondere einen FireWire-Anschluss hat. Das bedeutet, dass die Überspielung von Videoaufnahmen vom Camcorder auf den Computer auch direkt über den FireWire-Anschluss an der Vorderseite des Gehäuses möglich ist. Dieser FireWire-Anschluss muss natürlich mit dem internen FireWire-Anschluss des Mainboards verbunden werden.

Netzteil: Seasonic S12 380W ATX 2.0 retail – eigentlich wollte ich ein billigeres Netzteil für circa 20 € kaufen. Aber aufgrund dieser sehr hilfreichen Diskussion bin ich zur Überzeugung gelangt, dass 50 € für ein Netzteil angemessen ist. Das ausgewählte Netzteil entspricht der ATX 2.0 Spezifikation. Das bedeutet, dass dieses Netzteil insbesondere für Athlon 64 mit PCI Express geeignet ist. Der künftige Computer beinhaltet zwar keine PCI Express (Grafik-)Karte, aber sollte sich eine solche Grafikkarte nachträglich als notwendig herausstellen, wäre dieses Netzteil dazu geeignet.
Ein weiterer Vorteil dieses Netzteils ist, dass es active PFC hat. Außerdem ist es ziemlich leise.

380 W dürften auch vollkommen genügen, denn DDR2 RAM hat einen sehr geringen Stromverbrauch im Vergleich zu DDR1 RAM. Auch verbraucht der AMD Athlon 64 3800+ Prozessor (Orleans) maximal 65 W, in der praktischen Anwendung sind es wahrscheinlich deutlich weniger Stromverbrauch. Insgesamt dürfte der künftige Computer eine normale Strombelastung von vielleicht ganz grob geschätzt nicht mehr als 100 W benötigen (ohne Monitorstromverbrauch, nur Stromverbrauch der Zentraleinheit). Also selbst beim Einbau einer zusätzlichen PCI Express Karte dürfte das 380 W Netzteil vollkommen genügen.

DVD-Brenner: LG Electronics GSA-H12N – ein Vorgängermodell ist ziemlich gut bewertet, ich selbst bin mit meinem LG-DVD-Brenner zufrieden. Der GSA-H12N ist erst vor wenigen Monaten auf dem Markt erschienen, also noch ziemlich aktuell. Auf so einen Schnickschnack wie Lightscribe kann vorläufig verzichtet werden.

Eine Festplatte, ein normales DVD-Laufwerk sowie Windows XP (und solche Kleinigkeiten wie eventuell Diskettenlaufwerk, Tastatur, Maus) müssen nicht extra gekauft werden, denn diesbezüglich wird ein alter Computer ausgeschlachtet.

Ungefähre Kosten des künftigen PCs einschließlich Mehrwertsteuer einschließlich Versandkosten im Überblick:
- Mainboard und CPU beim gleichen Händler für insgesamt 156,27 €
- CPU-Lüfter: 18,35 €
- 4096 MB Arbeitsspeicher: 361,42 €
- Midi-Tower MS-Tech LC-180: 26,39 €
- 380 W Netzteil und DVD-Brenner beim gleichen Händler für insgesamt 89,97 €

Gesamtsumme: 652,40 €

Fazit: Man kann einen Computer komplett zusammengebaut bestellen. Oder eben die Einzelbauteile bestellen. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass die insgesamt höheren Versandkosten beim Kauf der verschiedenen Einzelteile bei verschiedenen Händlern kein überzeugendes Argument sind. Der Kauf bei verschiedenen Händlern ermöglicht trotz der Versandkosten eine optimale Kostenersparnis, denn das jeweilige Bauteil wird beim günstigsten Händler gekauft, wobei (wie aus der obigen Übersicht hervorgeht) manche Bauteile auch kombiniert bestellt werden können, wobei Versandkosten gespart werden. Darüberhinaus hat Marke Eigenbau den Vorteil, dass eben die Schwerpunkte exakt gewählt werden können. Bei dem künftigen Computer wird halt gespart beim Gehäuse, und eine Grafikkarte entfällt vollkommen, dafür wird etwas mehr in den Arbeitsspeicher und in das Netzteil investiert, wobei das Netzteil zwar absolut mit rund 50 € nicht extrem teuer ist, aber relativ teuer ausfällt, denn ursprünglich hatte ich ja 20 € anvisiert.

Hoffentlich funktioniert der künftige Computer.

2 Comments

  1. Marcel said,

    January 20, 2007 at 11:26

    Ich weiß zwar nicht, welches Betriebssystem Du darauf fahren wollst, aber um von den 4 GB RAM irgendwie zu profitieren, ist es vielleicht hilfreich, diesen Forumsthread zu lesen: Maximaler Arbeitsspeicher Windows XP?

    Ein Doppelkern-prozessor macht vor allem Sinn, um während langwieriger rechenintensiver Prozesse (z.B. Videos kodieren) noch andere Dinge tun zu können (z.B. Weblogs lesen und per Sprachsoftware kommentieren).

    Just my 2 Cents.

  2. Hivemind said,

    January 23, 2007 at 01:11

    Also ich finde deine Zusammenstellung auch durch die 4GB RAM ziemlich unausgewogen.

    Gerade da du dich gegen eine Doppelkern CPU entscheidest, sieh dir doch einmal die Testberichte bei Toms Hardware Guide an, du wirst feststellen, dass ein Solokern hier deutliche Geschwindigkeitseinbußen hat (dort findet man auch oft explizite Werte zur Videobearbeitung / Kodierung).
    Die Entscheidung zum neuen Sockel lohnt durch seine zukunftssicherheit auf jeden Fall.

    Da du auf den RAM scheinbar so viel Wert legst solltest du dir nicht nur den Kingston RAM ansehen, sondern auch kaufen, statt Billigheimer der Marke Aenon zu wählen.
    Ich hoffe dir ist auch klar, dass der langsamste Teil eines Computers meist die Festplatte ist, deshalb empfehle ich dir gerade für Videoverarbeitung zwei bauähnliche HDDs zu verwenden und im RAID 0 laufen zu lassen (das Mainboard aus der Preisklasse verfügt sicher über einen RAID Controller), falls du auch sensitive Daten bearbeitest die nicht verloren gehen sollen ist auch RAID 1 (Spiegelung) angebracht, um vor Ausfall mit Datenverlust geschützt zu sein.

    Wenn du beides nutze willst benötigstes du natürlich 3 Festplatten, um im Endeffekt jedoch nur die Kapazität einer zu nutzen.

    Neuere Grafikkarten bringen auch den Vorteil dem Prozessor Arbeit abzunehmen, gerade im Bereich Videobearbeitung.
    ATI nennt seine Technologie Avivo / Nvidia benutzt PureVideo (eine Übersicht der Grafikkarten findest du auf den HPs der Hersteller).
    Avivo hat jedoch den Vorteil nicht nur Decoding sondern auch Trans und Encoding zu übernehmen.
    Eine dedizierte Schnittkarte (zB Canopus) wäre natürlich dahingehend eine bessere Lösung.

    regards

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